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(inspiriert von R.)

Es war um die Mittagszeit eines sehr heißen Julitages, als Darius G. einen schmucken, weil blumen- und kräutergeränderten Waldweg entlangspazierte. Er dachte sich nicht viel, sog nur die gute Luft ein und betrachtete Naturerscheinungen am Wegesrand. Indes knurrte sein Magen allmählich, denn er hatte schon eine geschlagene halbe Stunde lang nichts mehr gegessen. Das machte ihm aber noch nichts aus, denn ein sogenanntes Roadhouse sollte gleich dort vorn, nur wenige Kilometer entfernt liegen, wo Darius trefflich würde speisen können. Soeben haben wir für unsere kleine Geschichte einen ersten englischen Begriff bemüht; und der gibt und auch einen Hinweis, wo Darius sich befand: nämlich in Zentralkanada und im Urlaub.

Wie er da so entlang spazierte, hörte er hinter sich plötzlich, sozusagen aus heiterem Himmel, ein wildes Knurren und Brummeln. Verwundert drehte er sich um. Und sah, oh Schreck: einen sehr großen Grizzlybären, der gemächlich, aber die Entfernung zu Darius doch rasch verringernd, hinter ihm her trottete. Und dieser Grizzly dachte: „Dich krieg ich, Bürschchen!“, und meinte unseren Freund Darius als Hauptgang nach einem soeben verzehrten Eichhörnchen. Darius tat, was er glaubte tun zu sollen, nahm die Beine in die Hand und rannte, so schnell er eben konnte (schnell war das nicht) weiter seinen Weg entlang, vom Bären weg. Der Bär, auch nicht faul, verfiel in einen für Darius beängstigenden Bärengalopp. Und es dachte immer wieder der Bär: „Dich krieg ich, Bürschchen!“

Nun, meine Freunde, die Sache sollte aber eine Wende nehmen, die ihr sicherlich jetzt noch nicht ahnt. Denn wie der Darius G. da rennen musste, wurde ihm sein großer Hunger doch viel bewusster, als es zuvor beim Schlendern der Fall gewesen war. Beide Wesen, Mensch und Tier, waren im schönsten Lauftrott, als Darius abrupt stehenblieb, sich umdrehte, und nun selber dachte: „Dich krieg ich, Bürschchen!“ So wenig Heldenmut wir unserem dicken Freund auch zuzutrauen bereit sind, so ungeahnte Power entwickelt er doch immer wieder fürs Essen: Er packte einen vom Abbrechen sehr angespitzten, kräftigen Ast und rannte auf den Grizzly zu. Der aber war völlig überrascht und das Holz spießte sich erheblich weit in sein Gedärm.

Wie?! Werdet ihr Leser vielleicht sagen. Wie kann man einen Grizzly so schnell kampfunfähig machen? Tja, wenn‘s ums Essen geht, ist unser Darius eben nicht zu stoppen.

Tot sank der Bär zur Erde. Darius wollte sich schon über die leckeren Tatzen hermachen, als er doch gewahr wurde, dass er noch nie einem Bären das Fell über die Ohren gezogen hatte. Also drehte er mit seiner großen Körperkraft das schwere Tier so zurecht, dass der aus dessen Leib ragende Ast wie ein Besitzmahnmal in die Höhe ragte, woran Darius geschickt seine hellrote Jacke befestigte. „Den soll mir keiner wieder rauben“, dachte er und machte sich auf den restlichen Weg zum Roadhouse, wo er einen des Bärenschlachtens Kundigen zu treffen hoffte.

Na dann: guten Appetit!