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Eigentlich war Smith von Anfang an zu alt für die Sache gewesen. Ein Tippfehler hatte ihn zwei Jahre jünger gemacht und als dann die Einberufung kam, wollte er auch mit dabei sein.

In Zeiten, wo die Ritter unter Drachenmangel leiden, ist der Kampf gegen den leibhaftigen Teufel ja auch etwas.

Smith war nicht besonders ehrgeizig; er achtete aber, so gut er konnte, auf seine Kollegen. Zwei Flugzeugsymbole für bestätigte Abschüsse waren auf die Haube seiner Maschine gepinselt. Dies empfand er immer als Makel, Lob dafür als schmerzhaft. Die Maschinen waren bei den ersten Treffern explodiert. Zufrieden war er, wenn er an die sich öffnenden Fallschirme dachte. Zwölf Mal hatte er das Feuer rechtzeitig eingestellt und damit auch die den Sieg beweisende Zielkamera ausgeschaltet. Zwölf Mal war ein todbringender Krieger plötzlich, wie ein Löwenzahnsamen aussehend, hilflos am Himmel aufgehängt. Einmal hatte man gesagt, er sei sehr mutig gewesen, andere meinten, er sei verrückt.

Nach einem erfolglosen Angriff auf eine Raketenstellung war der Schwarm schon abgedreht. Er hatte die startbereite Rakete gesehen, wusste, auf welches Ziel sie gerichtet war. „Ich bin nicht einverstanden, dass diese Rakete startet“ – dieser Gedanke füllte ihn aus und löschte jeden Zweifel. Er wurde eins mit seiner Maschine. Es gab nur noch den Stahlzylinder auf seiner Rampe und ihn.

Flach am Boden, in Deckung einer Baumreihe machte er sich heran. Ein Hüpfer darüber hinweg, die Leuchtspuren der Flak, die ihn sonst in Angstschweiß badeten, schienen ihm wie Begrüßungsfeuerwerk. Wie von selbst war das Ziel im Visier, die Leuchtspuren seiner Maschinengewehre verbanden zwei Wesen miteinander. Dann war ihm, als würde er in die Sonne fliegen.

In 3000 Meter Höhe kam Smith wieder zu sich, auf dem Rücken liegend, das Cockpit voll Qualm und Gestank nach verbranntem Gummi, Öl, Benzin und Glykol. Er richtete auf, wunderte sich selbst, dass es ihn noch gab. Die Maschine verlor alle Flüssigkeiten aus hunderten von kleinen Löchern in Rumpf und Tragflächen, die Scheibe war zersplittert, die wenigen noch funktionierenden Instrumente waren im roten Bereich am Anschlag. Mit stehendem Motor sank die Maschine der Nordsee entgegen.

Die Mannschaft des Fischkutters warf sich flach auf das Deck, als das Kampfflugzeug dicht über den Wellen lautlos auf sie zu glitt. Smith erfuhr dann aber die gleiche derbe Geschicklichkeit wie sonst die Makrelen.

Ihm blieben zwei wellenförmige Narben am rechten Oberarm.