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http://www.spiegel.de/kultur/musik/metallica-neues-album-hardwired-to-self-destruct-kritik-a-1121809.html

Wenn auch Metallica heute keine Mähnen mehr tragen, sind sie doch die unangefochtenen Löwen des Heavy Metal. Mich interessieren keine Videos, Live-Mitschnitte, kein noch so „bombastisches Brimborium“ zum Erscheinen eines neuen Albums. Mich interessiert ebenso wenig, wieviel Geld die Löwen für ihr solides Werk einstreichen. Mich interessiert Musik, die Musik von Metallica. Nicht selten mutet es an, als wäre sie für mich, für mich persönlich geschrieben, Text und Noten. Kalte Schauer (Sanitarium), Hitzewallungen (One) wechseln sich ab mit kribbliger Gänsehaut (The bleeding me). Schon seit 1988 geht das so, als „… and justice for all“ als linkes politisches Statement meines Freundes und mein Lebensgefühl musikalisch wiedergaben. Am liebsten höre ich die Alben jeweils wie ein einziges Lied. Und es gibt keinen Überdruss.

Aber ach… zum Erscheinen des neuesten Albums „hardwired...to self-destruct“ kommt ein Spiegel-Reporter daher und meint „Überdruss“ zu erkennen. Und „Bierdosenhaftigkeit“, was immer das sein mag. Diese Überschrift seines Artikels ist der erste seiner der Ahnung entbehrenden Unkenrufe; und es geht gleich zur Sache:

Tote Frösche werden als Motiv bemüht, um das Album zu kennzeichnen. Diese würden mittels Strom zu künstlichem Leben erweckt. Aber weit gefehlt… denn kaum etwas ist lebendiger, kraftvoller, quirliger und rühriger, bei vollstem Bewusstsein, als jene zwölf Lieder, mit denen mich Metallica 2016 beglückten und in der Überzeugung ein weiteres Mal festigten, dass am Metal-Himmel, ja am Musik-Himmel, kein Stern heller strahlt, als Metallica, dass sie und nur sie die Löwen sind – so wie der Löwe König der Tiere – die es nicht nötig haben, auf Anfeindungen acht zu geben. Das schier unendlich Kraftvolle ihrer Kunst spricht für sich selbst.

Doch es unkt weiter: Metallica würden „früheren Großtaten“ hinterherrennen. Und dann eine bemerkenswerte Absurdität: Sie stolperten „dabei aber von Erfolg zu Erfolg“. Wieder weit gefehlt, denn das hat die Welt noch nicht gesehen, dass der Hinterherrennende den Sieg einheimst. Und es ist nicht so, dass Metallica etwa populär wären, wie Frank glauben machen will, nein, ihr Publikum ist seichten Einheitsbrei schon lange satt. Wann etwa hätte ein populärer Sender wie 1live je etwas anderes von den Löwen gespielt, als „nothing else matters“, die berühmte Ballade. Wenn Metallica ihre, wie Leichtigkeit anmutende Kunstfertigkeit donnern lassen, ducken die Playlistplaner sich erschrocken weg.

Doch es unkt noch weiter: Es gebe „auf dem wilden und weiten Kontinent des Metal bessere, schnellere, konsequentere, wagemutigere Gruppen“. Welche, verrät Frank uns nicht. Nochmals muss die Formulierung „bombastisches Brimborium“ herhalten; nun, das hatten wir schon.

Und weiter unkt es: es soll nicht angehen, dass das Album der „Tagesschau“ eine Meldung wert war. War es aber. Und nur zu, Massenmedien, ihr werdet Metallica nicht zur Massentauglichkeit beugen, auch wenn Frank diese bereits bestehen sieht.

Aber jetzt wird es Zeit, dass wir uns vor der Unke wegducken, denn sie legt los mit Männlichkeit und Sexualität: „breite Beine“, „Viagra“, „es noch drauf haben“… alles Formulierungen und Motive, bei denen man sich fragt, wie der Frank dazu kommt. Abgesehen davon, dass Metallica in ihren Liedern Sexualität nicht aufgreifen… der Frank hat Metallicas Generalimpetus nicht verstanden: Wir wissen seit Liedern, wie „disposable heroes“ und „master of puppets“, dass Metallica dem linken Spektrum zuzuordnen sind. Dazu will das unterstellte Machotum nicht passen. Und es passt auch nicht.

Es unkt weiter: Der Bluesrock des Albums „load“ sei „adipös“. Wie bitte? Mit diesem Album hatten Metallica den Mut, alles nochmal ganz anders aufzuziehen. Wem Lieder wie „the outlaw torn“ nicht direkt unter die Haut gehen, nun, der hat Metallica eben nicht verdient. Es ist ja niemand gezwungen. Was aber soll man mit Fettleibigkeit assoziieren? Überladenheit von Text und/oder Musik? Nicht erkennbar. Schwerfälligkeit? Im Gegenteil.

Franks schiefe Motive setzen sich fort. Von „Schlägen ins Gesicht“, „Prügeln“ und „Ohrfeigen“ ist die Rede. Möchten Sie wissen, Arno Frank, was Metallica für mich ist? Seelenbalsam. Mit mir macht? Erleichtern, ermutigen, weiter hingebungsvoll zuzuhören.

All das ficht die Unke nicht an: am Ende des Albums herrschten Langeweile und lähmende Ermüdung. Ich sage: am zu schnellen Ende herrscht doch eine tiefgehende Zufriedenheit, die ihresgleichen sucht. Ein Beethovenliebhaber wird das am besten verstehen.

Das einzige, was Arno Frank trifft, ist das Feuer, das Metallicas Musik abstrahlt; ihren Ruhm neidend, vergeht sein Text darin wie die Motte in der Flamme.